Richtig essen bei Allergien
aus „BIO”, Ausgabe 6/2003
Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler
Vegetarische Kost senkt die Entzündungsbereitschaft
Ausschlag, Jucken, Dauerniesen – rund 25 bis 30 Prozent der Deutschen leiden unter Allergien. Tendenz steigend! Mit einer vegetarischen Kost aus viel Obst und Gemüse lässt sich diese Zivilisationskrankheit aber gut in den Griff bekommen. Dies haben Studien unlängst bewiesen.
„Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel und eure Heilmittel sollen
eure Nahrungsmittel sein”, sagte bereits der griechische Arzt und Philosoph
Hippokrates (460-377 v. Chr.). Ein Jahrtausende alter Satz , der heute mehr denn
je Gültigkeit besitzt.
So zeigen moderne Forschungsergebnisse: Menschen in Entwicklungsländern
leiden viel weniger unter Allergien, als jene in den Industrienationen. Der Grund:
Während in den reichen Ländern viel Fett und tierisches Eiweiß wie
Fleisch, Fisch, Wurst und Käse konsumiert wird, leben die Menschen in den ärmeren
Ländern vorwiegend vegetarisch.
Eine Studie mit vegetarisch lebenden Adventisten in den USA hat beispielsweise
ergeben, dass Vegetarier insgesamt weniger häufig an Allergien leiden, als
Mischköstler. Ein Ergebnis, das sowohl für Asthma als auch für
Heuschnupfen, für Tier- und Chemikalienallergien gilt.
Dabei kann eine vegetarische Kost nicht nur das Allergierisiko senken, sondern
auch langjährige Allergien abschwächen und sogar heilen. Bereits 1985
begleitete eine schwedische Forschergruppe 35 Patienten, die seit Jahren unter
allergischem Asthma litten. Die Testpersonen erhielten ein Jahr lang eine vegane
Kost, aßen also weder Fleisch und Fisch noch Milchprodukte. Nach einem
Jahr hatten alle Patienten deutlich weniger Beschwerden und messbar verbesserte
Lungenfunktionen. In fast allen Fällen konnten die über Jahre eingenommenen
Medikamente zumindest reduziert oder teilweise sogar völlig weggelassen
werden.
Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine Forschergruppe aus Osaka (Japan). Im Jahr
2001 wurden hier 20 Patienten mit chronisch entzündeten Hautpartien zwei
Monate lang mit einer kalorienreduzierten vegetarischen Kost versorgt. Allein
durch die Nahrungsumstellung bildeten sich bei allen Personen die Entzündungen
zurück.
Positiv wirkt sich bei einer Ernährungsumstellung nicht nur das Weglassen tierischer Produkte aus. Auch die pflanzliche Kost, die stattdessen mehr verzehrt wird, ist bei einer Allergiebehandlung sehr wichtig. So enthalten Obst und Gemüse eine ganze Reihe gesundheitsfördernder Inhaltsstoffe, die die entzündliche Grundstimmung im Körper mindern und die allergische Reaktionsbereitschaft herabsetzen. Etwa Flavonoide, also Antioxidanzien, die sich positiv auf das Krankheitsbild auswirken. Besonders reichhaltig kommen diese in Kirschen, Trauben und Aprikosen vor. Ebenso hat die antientzündliche Salizylsäure, die zum Beispiel in Gemüsesorten wie Zucchini, Radieschen und Chicoree enthalten ist, einen positiven Einfluss auf allergisch bedingte Entzündungen.
Dass eine vegetarische Kost nicht nur für zu Hause, sondern gerade auch
als Ernährungskonzept für Kliniken, Krankenhäuser und Sanatorien
geeignet ist, stellten bisher erst wenige Einrichtungen unter Beweis.
Im unterfränkischen Haus der Gesundheit, der Naturklinik Michelrieth beispielsweise
mit ihrem modernen ganzheitlichen Therapiekonzept hat man damit beste Erfahrungen
gemacht. Hier erhalten alle Patienten reine vegetarische bzw. vegane Mahlzeiten. „Das
Weglassen von Fleisch wirkt sich nicht nur bei Allergien sichtbar positiv aus,
sondern auch bei vielen anderen Krankheitsbildern wie Rheuma, Diabetes, Stoffwechselstörungen
oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen”, sagt Chefarzt Dr. Arno Schneider.