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Mikronährstoffmängel trotz gesunder Ernährung?

Angesichts der riesigen Auswahl an Lebensmitteln in Deutschland sind viele Menschen der Überzeugung, dass gar keine Mikronährstoffmängel auftreten können. Doch wie steht es tatsächlich um den Mikronährstoffgehalt der Nahrungsmittel? Dazu wurden in den letzten Jahren Untersuchungen in verschiedenen Ländern durchgeführt. In England läuft seit 1843 ein Langzeit-Experiment: Über viele Generationen hinweg wurden Weizen- und Bodenproben gesammelt. Bis Mitte der 1960er Jahre waren die Konzentrationen von Zink, Magnesium, Eisen und Kupfer stabil. Nach diesem Zeitpunkt verringerte sich die Konzentration dieser Mineralstoffe und Spurenelemente erheblich.

US-Wissenschaftler verglichen die Zusammensetzung von Obst und Gemüse 1950 und 1999 und stellten fest, dass es bei mehreren Mikronährstoffen wie Calcium, Phosphor, Eisen, Vitamin C und Vitamin B2 sowie beim Eiweißgehalt zu einer deutlichen Abnahme kam.

2007 veröffentlichten finnische Wissenschaftler die Daten von Mikronährstoffmessungen bei pflanzlichen Nahrungsmitteln, die in Finnland gewachsen waren. 17 Gemüsesorten, 6 Beerensorten, 4 Getreidesorten und Äpfel zeigten im Jahr 2000 im Vergleich zu Mitte der 70er Jahre einen signifikanten Abfall der Mikronährstoffe, Kalium, Mangan, Zink und Kupfer.

Was sind die Gründe für die Abnahme der Mikronährstoffkonzentrationen aus wissenschaftlicher Sicht?
Bei Nahrungspflanzen, die auf hohen Ertrag gezüchtet werden, kommt es zu einer Zunahme der Trockenmasse, aber zu einer Verdünnung der Mineralstoffkonzentration. Je höher der Ertrag, desto niedriger ist tendenziell die Konzentration von Mineralstoffen und Proteinen. Auch die durch Züchtung veränderten Gene bei Nahrungspflanzen können dazu führen, dass die Pflanzen weniger Mineralstoffe aufnehmen können.

Eine starke Düngung der Nahrungspflanzen kann z.B. auch die Fähigkeit der Pflanze beeinträchtigen Vitamin C zu bilden. Die Verwendung von Kaliumdüngern kann den Phosphorgehalt in einigen Pflanzen vermindern, weil die Pflanze weniger Magnesium aufnehmen kann, was wiederum die Phosphoraufnahme stört.

Durch den Klimawandel kommt es Forschungsergebnissen zu Folge zu einer weiteren Verminderung der Mikronährstoffkonzentrationen. 2014 berichtete ein internationales Forscherteam, dass bei CO2-Konzentrationen von ca. 550 ppm der Zinkgehalt in Weizenkörnern um 9,3 Prozent und der Eisengehalt um 5,1 Prozent abnimmt. Auch der Proteingehalt schrumpfte in einem Versuchsanbau bei Weizen und Reis.

Was folgt aus der Verminderung der Mikronährstoffkonzentrationen?
Ein Wissenschaftler des World Watch Instituts hat es so zusammengefasst: „Um die empfohlene Zufuhr von Nährstoffen zu erreichen, müssen wir heute viel mehr Scheiben Brot essen als noch in früheren Zeiten. Wir haben heute zwar mehr Nahrungsmittel, die aber in Bezug auf den Nährstoffgehalt weniger Wert haben.“

 Aus diesem Grund ist es sinnvoll und notwendig von Zeit zu Zeit die Mikronährstoffversorgung des Organismus überprüfen zu lassen.