ZURÜCK ZU Gesundheit News

Schlafstörungen und Mikronährstoffe

Störungen des Schlafes werden von den meisten Menschen als sehr belastend empfunden. Sie können von kurzer oder längerer Dauer sein, bei manchen Menschen werden Schlafstörungen chronisch. Länger andauernde Schlafstörungen weisen darauf hin, dass im Leben des Betroffenen ein Ungleichgewicht entstanden ist. Die Einnahme von Schlafmitteln kann manchmal das Symptom, die Schlafstörung, abmildern. Dadurch ändert sich aber an deren Ursachen kaum etwas.

Ein als nicht erholsam empfundener Schlaf ist oft mit einer Beeinträchtigung der psychischen Befindlichkeit und der Leistungsfähigkeit am Tage verbunden. Die Ursachen von Schlafstörungen sind vielfältig; sehr häufig ist Stress ein wichtiger Auslöser, vor allem auf Grund psychosozialer und beruflicher Faktoren, aber auch durch zwischen menschlichern ungelösten Konflikten.

Auch verschiedene Lebensstilfaktoren können einen ungünstigen Einfluss auf die Schlafqualität haben, z. B. späte, üppige Abendmahlzeiten, Stimulantienmissbrauch (Alkohol, Koffein, Nikotin), Bewegungsmangel, abendliche Reizüberflutung u.v.m.

Bei der Therapie von Schlafstörungen können neben den üblichen Schlafmitteln auch Phytotherapeutika, z. B. Passionsblume, Baldrian, Hopfen, Lavendel und Melisse, in Frage kommen. Ein wichtiger Ansatz für die Therapie ist die gezielte Substitution verschiedener Mikronährstoffe, die die Schlafqualität verbessern können. Eine individuelle Analyse der Mikronährstoffversorgung ist Voraussetzung einer darauf aufbauenden gezielten Behandlung. Dazu einige Erkenntnisse aus Studien:

Aminosäuren

Japanische Wissenschaftler untersuchten in drei kleineren Studien den Effekt einer Glycinsupplementierung auf die Schlafqualität. In der ersten Studie der japanischen Forscher erhielten 19 weibliche Versuchspersonen mit schlechter Schlafqualität 3 g Glycin oder ein Placebopräparat vor dem Zubettgehen. Durch die Glycingabe konnte die Schlafqualität verbessert werden. In der zweiten Studie zeigte sich durch eine Glycintherapie auch eine Stabilisierung des Schlafstatus in der Polysomnographie (PSG). Subjektiv berichteten die Studienteilnehmer über eine bessere Schlafqualität, außerdem fühlten sie sich morgens wesentlich frischer. In einer dritten Studie konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass eine Glycingabe tagsüber keine Schläfrigkeit induzierte und auch sonst keine nachteiligen Effekte zeigte.

Neben Glycin ist Tryptophan eine weitere Aminosäure, die bei Schlafstörungen Verwendung finden kann. Tryptophan ist in Deutschland als rezeptfreies Arzneimittel zur Behandlung von Schlafstörungen zugelassen. Die schlafanstoßende Wirkung von Tryptophan ist dadurch zu erklären, dass Tryptophan im Gehirn via Serotonin zu Melatonin verstoffwechselt wird. Tryptophan wirkt nur dann schlaffördernd, wenn es in der zweiten Tageshälfte gegeben wird und wenn der Körper sich in einem Ruhezustand befindet. Körperliche Aktivität nach einer Tryptophaneinnahme verhindert eine schlaffördernde Wirkung komplett.

Tryptophan sollte möglichst nicht als Dauerbehandlung gegeben werden, sondern eher als Intervalltherapie, da eine erhöhte Tryptohanzufuhr das Enzym Tryptophan-Dioxigenase (TDO) stimuliert, das den Tryptophanabbau beschleunigt. Die Umwandlung von Tryptophan zu 5-HTP erfordert eine ausreichende Verfügbarkeit von Vitamin B6, Magnesium und Eisen, weil ansonsten die Aktivität der Tryptophan-Hydroxylase beeinträchtigt ist. Durch die Einnahme eines tryptophanreichen Eiweißpräparates (Alpha-lactalbumin) fühlten sich Versuchspersonen am nächsten Morgen deutlich wacher und frischer.

Vitamine

Bei einem Vitamin-B6-Mangel tritt psychologischer Disstress (negativer Stress) häufiger auf als bei einer guten Vitamin-B6-Versorgung; ein VitaminB6-Defizit begünstigt Schlafstörungen. Vitamin B6 ist für die Bildung von Serotonin erforderlich. Eine Vitamin-B6-Supplementierung kann deshalb Schlafstörungen vermindern.

Vitamin B12 hat einen Effekt auf biologische Rhythmen und vermag einen unregelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus günstig zu beeinflussen. Außerdem gibt es Hinweise, dass Vitamin B12 die Melatoninsekretion des Menschen beeinflusst. Bei einem Vitamin-B12-Mangel kommt es durch Lichtexposition um Mitternacht zu einem stärkeren Abfall der Melatoninsekretion als bei normalen Vitamin-B12-Konzentrationen.

Ein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel scheint mit vermehrter Schläfrigkeit während des Tages assoziiert zu sein. Eine Vitamin-D-Supplementierung führte bei Patienten mit chronischen Schmerzen nicht nur zu einer Verminderung des Schmerzlevels, sondern auch zu einer Verbesserung der Schlafqualität. Bei weiblichen Patienten mit Restless-Leg-Syndrom wurden niedrigere Vitamin-D-Konzentrationen festgestellt als bei Kontrollpersonen. Es bestand ein inverser Zusammenhang zwischen den Vitamin-D-Spiegeln und dem Schweregrad der Erkrankung.

Spurenelemente

Zink spielt eine bedeutende Rolle für die Funktionsfähigkeit wichtiger Neurotransmittersysteme (Glycin, Gaba, Glutamat, Dopamin). Ein Zinkmangel ist deshalb häufig mit Hirnleistungsstörungen und psychischen Befindlichkeitsstörungen assoziiert. Die Zinkversorgung scheint auch einen Einfluss auf die Schlafqualität zu haben. Neben Zink spielt auch Eisen eine wichtige Rolle im Neurotransmittermetabolismus.

Eisen ist ein Cofaktor der Tyrosinhydroxylase und damit für die Dopaminsynthese erforderlich. Eisen hat aber auch eine Bedeutung für die Serotoninbildung, für die Bildung von GABA und von Opioidpeptiden. Ein Schlafentzug kann zu Störungen im Eisenstoffwechsel führen. Das Restless-Leg-Syndrom (RLS) kann zu erheblichen Schlafstörungen führen. RLS ist mit einem Eisenmangel im Gehirn und einer dopaminergen Dysfunktion assoziiert. Eine Eisentherapie kann die Funktion des dopaminergen Systems verbessern und auch die Symptome von RLS vermindern.

Magnesium

Magnesium ist der Anti-Stress-Mikronährstoff. Japanische Wissenschaftler untersuchten den Effekt eines chronischen Schlafmangels auf die autonome Aktivität. Dazu wurden die Herzfrequenzvariabilität (Heart rate variability (HRV)) sowie die Katecholamine im Plasma und die intrazellulären Magnesiumspiegel bestimmt. Bei einem mehrwöchigen Schlafmangel, z.B. durch eine ExamenSituation, verminderten sich die Magnesiumkonzentrationen in den Erythrozyten, die HRV-Idices, während die Konzentration von Noradrenalin im Plasma anstieg.

In einer weiteren Studie japanischer Wissenschaftler konnte nachgewiesen werden, dass die körperliche Belastbarkeit bei Schlafmangel beeinträchtigt ist. Es konnte eine Überaktivierung des sympathischen Nervensystems nachgewiesen werden, die als Kompensation für verminderte intrazelluläre Magnesiumkonzentrationen erfolgte. Eine Magnesiumsupplementierung verbesserte die Indikatoren eines Magnesiummangels und den Entzündungsstress bei älteren Erwachsenen, die unter schlechter Schlafqualität litten. In einer Studie iranischer Wissenschaftler erhielten 46 ältere Versuchspersonen entweder 500 mg Magnesium oder ein Placebopräparat über einen Zeitraum von acht Wochen. Durch die Magnesiumtherapie kam es zu einem signifikanten Anstieg der Schlafdauer, auch der Schlaftiefe sowie der Konzentrationen von Renin und Melatonin. Die Cortisolkonzentrationen, die Einschlafdauer und Störungen der Schlafqualität nahmen signifikant ab.

Wie bereits erwähnt, ist Tryptophan die Ausgangssubstanz für die Bildung von Melatonin. Melatonin ist inzwischen für die Kurzzeitbehandlung von Insomnien bei Erwachsenen über 55 Jahre als Arzneimittel zugelassen. Melatonin ist mit der Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus und der Synchronisation der inneren Uhr assoziiert. Es erhöht die Schlafneigung und hat eine schlafanstoßende Wirkung. Tryptophan und Melatonin sollten nicht parallel eingenommen werden, weil sie sich im Wirkungsmechanismus überschneiden.

… Es gibt auch andere Faktoren, die die Schlafqualität beeinträchtigen können.
Hier noch eine interessante Studie:

Fleischverzehr und Schlafqualität?

Wissenschaftler aus Spanien haben im April 2019 einen Fachartikel publiziert über einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Fleischverzehr und Veränderungen der Schlafdauer und Schlafqualität.

Es zeigte sich, dass ein höherer Verzehr von Fleisch mit einer Verminderung der Schlafdauer bei älteren Menschen assoziiert war. Außerdem führte ein höherer Fleischkonsum zu vermehrtem Schnarchen und schlechter Schlafqualität.

https://www.diagnostisches-centrum.de/fach-infos/266-fachartikel-schlafstoerungen/1773-schlafstoerungen-welche-mikronaehrstoffe-koennen-hilfreich-sein.html